Aquaristischer Arbeitskreis Leinetal e.V.

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Der Zwergflußkrebs - Cambarellus shuffeldtii -

von Arne Hartig

Größe: 2 - 3 cm
Färbung: Weibchen hellbraun mit dunkelbraunen Tüpfeln, die Männchen schlichter und etwas kleiner bleibend.
Wassertemperatur: 15 - 25°C
Futter: Wasserflöhe, Trocken-, Frost- und Lebendfutter.
Terra typica: Von Mexiko entlang der Golfküste bis in den Norden Floridas.

Aquarien mit Flußkrebsen sehen bekanntlich schon nach kurzer Zeit etwas sparsam in der Einrichtung aus. Die Wasserpflanzen sind aufgefuttert oder dümpeln abgeknipst an der Oberfläche herum. Die Einrichtung wird hin und her geschoben, und die Fische halten einen respektvollen Sicherheitsabstand zu den gierig greifenden Scheren ein.

So stieß ich dann auf der Suche nach "friedlichen" Krebsen auf den kleinen Flußkrebs Cambarellus shuffeldtii. Meine Gruppe - bestehend aus neun Tieren - sollte sich erstmal ausreichend vermehren, bevor ich es wagen wollte, sie mit Fischen zu vergesellschaften. Aufgrund ihrer geringen Größe hatte ich doch Bedenken, daß sie diesmal das Opfer unkontrollierter Freßorgien werden.

So richtete ich ein kleines Becken her, das mit Kies und Lochgestein, einer Wurzel und ein paar Pflanzen ausstattete wurde. Die Wassertemeratur lag bei 18 - 20°C, gefiltert wurde über einen kleinen Innenfilter. Es tat sich gar nichts, sie wurden sogar weniger. Auch eine Umgestaltung des Beckens - Eichenlaub sollte helfen -, eine leichte Erhöhung der Temperatur, sowie häufiger Wasserwechsel führten nicht zu einer Besserung der Lage.

Frustriert kippte ich nach einem halben Jahr meine restlichen drei Krebse mitsamt ihren Blättern in ein 90 Liter Becken, in dem ich Jungfische aufziehe. Dazu kamen noch eine handvoll Blätter und zwei geschenkte Tiere, aber ich beachtete sie nicht weiter. Nach ein paar Wochen entdeckte ich zu meiner Überraschung im Hornkrautwald, der das halbe Becken einnimmt, ein winziges Miniaturkrebschen. Bei genauerem Suchen wurden es immer mehr.

Fazit: Da Cambarellus shuffeldtii stehende, bis langsam fließende Gewässer bewohnt, ist wohl eine ausreichend dicke Mulm- und Blätterschicht (2 - 3 cm) sehr wichtig. Ich tausche immer nur einen Teil des Wassers aus und sauge nicht den Grund mit ab. Auch eine dicke Schicht aus Schwimmpflanzen (z.B. Hornkraut) sollte im Becken vorhanden sein. Die Krebse halten sich oft und gerne darin auf. Auf die Bepflanzung des Beckens haben die Krebse ansonsten keinen Einfluß, sie scheinen die größeren Blätter sogar von kleinen Algen abzuweiden.

Gefüttert wird mit Wasserflöhen, Frost- und Flockenfutter. Auch zerdrücke ich regelmäßig kleine Wasserschnecken, die sofort gierig aufgenommen werden. Die Anzahl der Jungfische wird nicht wesentlich dezimiert. Lebendfutter interessiert zwar immer, aber Aufgrund ihrer Größe haben sie kaum eine Chance einen Fisch zu erwischen, sie sind sogar eine prima "Gesundheitspolizei", da alles Abgestorbene sofort vertilgt wird. Untereinander sind die Krebse recht verträglich. Sie gehen sich meist aus dem Wege, nur kurz nach der Häutung oder während der Paarung kann es mal vorkommen, daß ein Bein oder eine Schere abgekniffen wird.
Eine regelrechte Balz konnte ich bei C. shuffeldtii noch nicht beobachten. Vieleicht geben die Weibchen einen Duftstoff ab, denn von Zeit zu Zeit wandern die männlichen Tiere ganz aufgeregt durchs Becken. Trifft dann ein Männchen auf ein paarungswilliges Weibchen, wird dieses kurzerhand gepackt, auf den Rücken geworfen und mit den Scheren fixiert.
Schon nach kurzer Zeit entläßt das Männchen das Weibchen, und beide gehen wieder ihrer Wege. Die Anzahl der Eier ist recht unterschiedlich. Sie schwankt zwischen 5 und 40 Stück. Die Jungen schlüpfen nach zwei bis vier Wochen, und man kann die winzigen Jungen dann noch kurze Zeit am Hinterleib des Muttertieres beobachten, bevor sie in den Tiefen der Blätterschicht verschwinden.

Da in meinem Zuchtbecken die Population von C. shuffeldtii ausreichend gesichert ist, habe ich es mittlerweile gewagt die Krebse in ein Gesellschaftsbecken (260 l) mit Lebendgebärenden und Welsen überzusiedeln. Die Krebse werden von den Fischen nicht behelligt. Ob sie sich dort auch vermehren wird sich erst noch zeigen. Jedenfalls habe ich mit C. shuffeldtii endlich eine kleine, aber höchst interessante, Flußkrebsart gefunden, die man prima im Aquarium halten kann, ohne auf Pflanzen und abnehmende Fischpopulationen verzichten zu müssen.


Literatur:
A. Nolte: Der Zwergflußkrebs Cambarellus shuffeldtii, Datz 9/96, S. 567