Aquaristischer Arbeitskreis Leinetal e.V.

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Der Pitbull Harnischwels

von Anna Zoske (AAL-Info 2002)


Im Handel gibt es seit einiger Zeit immer wieder einen kleinen, Otocinclusähnlichen Saugwels, der unter dem Namen Pittbull-Wels oder Pitbull-Otocinclus verkauft wird. Ich erstand drei Tiere und ging davon aus, daß "Pitbull" eine dieser Wortschöpfungen des Handels sei. Doch der kleine Wels heißt tatsächlich Pitbull Harnischwels oder Gründlingswels, der wissenschaftliche Name lautet Hypostominae sp. Ursprünglich kommt diese Welsart wohl aus dem Rio Xingu in Brasilien.
Von der Form her ähneln die Pitbull Welse dem bekannten Otocinclus, nur daß der Kopf von Hypostominae vollkommen rund ist, deshalb vielleicht der Hundename. Auch liegen die Augen von Hypostominae nicht flach an den Seiten, sondern oben hervorragend, fast so ähnlich wie bei Fröschen oder Krokodilen. Die Welsart wird nicht besonders groß, nur etwa 5cm. Farblich sind Brauntöne zu sehen, wobei die Tierchen eher hell, beinahe grau erscheinen in einem zu hellen Becken, oder wenn sie sich wegen anderen Gründen unwohl fühlen. Man sollte die zarten Kerlchen z.B. auf keinen Fall mit ruppigen oder frechen Fischen zusammenhalten, da Hypostominae keinerlei Durchsetzungsvermögen hat, sondern dann verschüchtert ist und nur reglos irgendwo liegt.
In einem Becken mit dunklerem Kies und wo sie ihre Ruhe haben, entwickeln sie als Grundfarbe ein kräftiges Ocker, das mit einem unregelmäßigen dunkelbraunen Muster durchzogen ist. So sind die Welse auf dunklem Kies manchmal kaum zu entdecken. Dort halten sie sich auch am liebsten auf. An den Scheiben oder höheren Pflanzen kleben sie nur selten, vielmehr werden bodennahe Pflanzenblätter von Algen gereinigt und der Kies etwas umgeschichtet. Tatsächlich, worauf wohl auch schon der 2. deutsche Name "Gründlingswels" hinweißt, saugen die Welse einzelne Kieselsteinchen an, putzen so einen vollständig und legen ihn dann neben sich wieder ab. Dies betreiben sie durchaus auch etwas länger, wodurch vor ihnen eine kleine Kuhle, neben ihnen ein kleiner Hügel entstehen kann. Damit ist wohl auch die Nahrung der Welse klar: Algen, Algen, Algen und kleine Partikel von Flockenfutter oder Pflanzenresten, die sich zwischen dem Kies ansammeln. Auch so etwas wie Grünfuttertabletten werden gerne genommen, wobei Hypostominae aber sehr langsame Fresser sind und die übrigen Fische das Futter meist schon lange vorher entdeckt und sich darauf gestürzt haben.
Pitbull Welse beherrschen es, sich trotz des zarten Aussehens ziemlich schnell in den Kies ein zu wühlen, wenn sie ihre Ruhe haben wollen. Dann kann man nur noch ihre Augen aus dem Kies hervor schauen sehen.
Bei der Temperatur, den Wasserwerten und der Beckengröße scheinen die Welse recht anspruchslos zu sein : Temperaturen zwischen 22°C und 27°C und z.B. das eher weiche Göttinger Wasser werden gut vertragen. Ich selbst halte die Welse in einem flachen 1m Becken, aber wahrscheinlich sind sie auch in kleinsten Becken zu halten, solange genug Algen, Rückzugsmöglichkeiten und etwas Mulm vorhanden sind.
Im übrigen scheinen Pitbull Welse auch sehr gesellig zu sein, da z.B. meine drei niemals weit voneinander entfernt liegen.
Über die Geschlechtsunterschiede und die Zucht ist bis jetzt nicht viel bekannt. Wahrscheinlich sind die Weibchen etwas größer und runder als die Männchen. Im Mergus Aqurienatlas Bd.5, S. 372 wird vorgeschlagen, man solle zur Laichanregung die Regenzeit nachahmen. Ein amerikanischer Aquarianer berichtet im Internet bei Planet Catfish, daß die Tiere bei ihm eher zufällig bei einer Wassertemperatur von 20°C gelaicht haben.
Man merkt, daß hier also noch einiges im Unbekannten ist. Ich kann aber auf jeden Fall sagen, daß es sehr interessant ist, dieses Fischchen in einem passenden Becken zu pflegen. Vielleicht wird ja auch in nicht allzu entfernter Zeitetwas mehr über die Fortpflanzung bekannt, so daß dieser kleine, aber reizvolle Wels eine größere Verbreitung in der Aquaristik finden kann.