Aquaristischer Arbeitskreis Leinetal e.V.
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Beschleunigte Wundheilung durch das Hautsekret von Arius spec.
von Dr. Ivo Chao
Durch den Artikel von Harro Hironiemus über die Gifte bei Welsen (BSSW -
Report 1/1992) angeregt, fing ich an, über dieses Thema Literatur zu suchen.
Dabei stellte sich heraus, das Welse aus der Familie Ariidae sowohl ein Gift
aus Drüsen (Drüsengift) an der Basis der Brustflossenstacheln besitzen,
als auch ein giftiges Hautsekret aus sogenannten einzelligen Würfeldrüsen
produzieren. Die Gruppe um J.M. Al-Hassan aus Kuwait beschäftigt sich seit
Jahren mit diesen Giften (besonders von Arius bilineatus) und beobachtete
Vergiftungsfälle pro Jahr bei Fischern. Dabei gelangt bei einem Stich durch
den Brustflossenstachel in erster Linie das Drüsengift in die Wunde. Die
Symptome waren immer gleich: Starke Schmerzen, Schwellung, lokale Lähmungserscheinungen
und Taubheitsgefühl, erhöhter Herzschlag, Blutdruckabfall, Atembeschwerden,
Fieber und Erbrechen.
Die beiden Gifte unterscheiden sich durch ihre Inhaltsstoffe, bzw. durch die
Konzentration einzelner Komponenten, wobei die Anzahl der Einzelstoffe sehr groß
ist. Beim Drüsengift überwiegen die lokalen zell- und blutzerstörenden
Faktoren. Das Hautsekret enthält in erster Linie Stoffe, die auf den ganzen Körper
einwirken und Blutgefäßspasmen, Blutdruckabfall etc. verursachen. Jedes Gift
für sich führt in entsprechender Konzentration zum Tode.
Interessanter ist, daß das giftige Hautsekret verstärkt freigesetzt wird,
wenn sich der Wels bedroht fühlt.
Zudem zeigt sich, daß es in der Lage ist, die Wundheilung deutlich zu beschleunigen.
Einige Faktoren verstärken den Gefäßspasmus, wodurch die Wunde eine kürzere
Zeit lang blutet, andere Faktoren unterstützen das Verkleben des Blutes und tragen damit
zu einem schnelleren Wundverschlußbei. Wieder andere wirken antibiotisch oder verkürzen
die Zeit der Wundheilung durch die Förderung des Wachstums neuen Gewebes.
Die Gruppe um J.M. Al-Hassan beschrieb, daß dieser Effekt der beschleunigten Wundheilung
durch das Hautsekret nicht nur beim Wels, sondern auch am Menschen zu beobachten sei. So soll in
einer Doppelblindstudie gezeigt worden sein, daß Wunden, die normalerweise in zehn Tagen
ausheilen, mit Hilfe des Sekrets in schon vier Tagen abgeheilt waren. Besonders bei Problemwunden
von Diabetikern soll der Wundheilungseffekt sehr deutlich gewesen sein.
Ich persöhnlich stehe dem sehr skeptisch gegenüber, insbesondere deshalb, weil es bisher
keine weiteren Hinweise von anderen Arbeitsgruppen für diese beschleunigte Wundheilung gibt.
Außerdem ist es für mich schwer vorstellbar, daß dieses Sekret, wie die Gruppe
berichtet, keine Nebenwirkungen zeigen soll. Das Sekret enthält so viele verschiedene
Fremdeiweiße, daß es mich wundern würde, wenn es nicht zu allergischen Reaktionen
führt.
Ich kann hier nur jeden warnen, sich diesen Wels zuzulegen, um sein Hautsekret zu nutzen. Die
sachgemäße Gewinnung des reinen Sekretes erfordert einen immensen apparativen Aufwand,
da - neben anderen Infektionsquellen - auch nur die kleinste Beimengung des Drüsensekrets zu
einer Vergiftung und Verschlimmerung der Wunde führen würde.
Trotz meiner Skepsis gegenüber den genannten Heilungserfolgen fand ich diese Arbeiten hinreichend
interessant, um darüber zu berichten. Möglicherweise haben auch andere Welse ein solches
"Selbstheilungsmittel", das sie freisetzen, wenn ihnen Gefahr (durch Verletzung) droht. So erinnere
ich mich an einen Artikel, in dem über die Freisetzung eines Stoffes aus der Haut von Panzerwelsen
berichtet wurde.
Denjenigen, die sich für die Gifte von Welsen oder anderen Fischen interessieren, kann ich nur das
Buch von Bruce W. Halstead empfehlen. Zwar beschreibt er in erster Linie Meerestiere, jedoch werden
bei den Welsen auf 40 Seiten auch die giftigen Süßwasserarten erwähnt bzw. beschrieben.
Das Buch (es ist eher ein Wälzer mit über 1200 Seiten) ist über Fernleihe erhältlich.
Ein Exemplar hat die Staatsbibliothek München.
Literaturauswahl:
(Zu beachten ist, daß sich die Gruppe um Al-Hassan bei der Bestimmung der Art bis
1988 irrte. A. thallasinus ist in Wirklichkeit A. bilineatus)
Al-Hassan, J.M. (1990): Diabetic ulcer healing preparations from the skin of the Arabian Gulf Catfish
(Arius bilineatus Val.): a novel and effective treatment. Int. J. Tissue React. 12:121-135.
Dto., M. Thomson, M. Ali, S. Fayad, A. Elkhawad, O. Thulesius, R.S. Criddle (1986): Vasoconstrictor
components in the Arabian Gulf Catfish (Arius thallasinus Ruppell) proteinaceous skin secretion. Toxicon
24:1009-1014.
Dto., M. Thomson, R.S. Criddle (1983): Accelerated wound healing by a preparation from skin of the Arabian
Gulf Catfish. Lancet 1:1043-1044.
Dto., M. Thomson, B. Summers, R.S. Crddle (1987): Protein composition of the threat induced epidermal secrtion
from the Arabian Gulf Catfish, Arius thallassinus (Ruppell). Comp. Biochem. Physiol. B. 88:813-822.
M. Ali, M. Thomson, J.M. Al-Hassan, J. al Saleh, S. Fayad, H. Assad, R.S. Crddle (1989): Comparative biochemical
and pharmacological properties of epidermal secretions from Ariid catfish of the Arabian Gulf. Comp. Biochem.
Physiol. B. 92:205-211.
Halstead, B.W.: Poisonous and venemous marine animals of the world. 2nd ed. Princetown, New Jersey, The Darwin
Press Inc., 1988
Thulesius, O., J.M. Al-Hassan, R.S. Criddle, M. Thomson (1983): Vascular responses elicited by nenom of Arabian
catfish (Arius thallasinus). Ge. Pharmacol. 14:129-132.